Loreley

Es sah nach Regen aus, und das tat es dann auch heftig auf der Autobahn bis Hamburg.
Auf dem Rathausmarkt fand eine „Ossi-Zelt-Touristik-Werbewoche“ statt, was der Anlass für uns war, hierher zu fahren.
Viele Prospekte, zwei Gläser Sanddorngellee, eine Buddel Sanddornwein aus Ludwigslust tragen sich schwer in einem Leinenbeutel aus Brandenburg. Wir haben das Gefühl. die lieben Ossis müssen die Präsentation ihrer Erzeugnisse noch üben und versuchen deshalb eine Rathausführung zu erhaschen. War wohl nix! „Heute keine Führungen!“. Basta!
Die Sonne kam wieder durch und bei Ingrid der „Miniaturpuppenstuben-Trieb“.
Erster Anlauf in den Alsterarkaden, nicht ohne nostalgische Erinnerungen vor dem Bernsteinladen zu pflegen. Und mit neidvollen Blicken auf Pyrite aus Lägerndorf im Mineralogischen Zentrum zu gucken. Der Spielzeugladen hier, hat nicht viel zu bieten. Deshalb zielstrebig, nach kleinem Schlenker an den Alsterschiffsanleger (viel zu teuer!) gelangen wir in die „Puppenstube“ im Valentinskamp. Ein riesiges Angebot in den Schubladen, Regalen und Schaukästen dieser ehemaligen Apotheke. Doch der gusseiserne Bullerofen scheint zu groß für Omas Wohnzimmer.
Zum Dammtor ist es nicht weit und das Wetter schön, wie unser Hamburg… Zeit für eine Eiswaffel und eine Bank im Botanischen Garten. Im Tropenhaus können wir unseren Brandenburgbeutel magels eines Zweimarkstückes nicht deponieren. (weshalb haben wir eigendlich keinen Rupsack mitgenommen?)
Also schleppen wir uns durch den Urwald und bewundern Wasserschildkröten, Bananenstauden, Kaokaobohnen und Riesenfarne. Wir versprechen uns, wenns blüht, hier noch einmal her zu fahren.
Der Rückweg führt uns durch die Colonaden mit ihrem Südländischen Flair, obligatem Fischessen und der herzerweichend weinenden Paula. Auf dem Weg liegt dann auch noch das Hanseviertel und selbstverständlich der Puppenladen Nr. 3. Die letzte Station in Sachen Miniaturpuppenpassion, bietet sich für Ingrid bei Sportkarstadt am Anfang der Mönkebergstraße.

Also wird HJR (der einem ja die Ruhe nimmt) zwischen Peek+Cloppenburg und dieser “letzten Gelegenheit” auf einer Bank geparkt.
Das Gleiche geschieht mit einer Japanerin. Sie ist ziehrlich, wie auch ihr Mann und der etwa 10jährige Sohn. Die beiden “Männer” wollen, anscheinend ohne Mama, noch einmal wg. Pokémon, Diddelmaus oder Pommes-weiß-rot in das Kaufhausgewimmel.
Mama hat also Zeit in aller Ruhe ihre Plastiktüte zu inspizieren.. Ein Teil nach dem anderen wird herausgezogen, beäugt, hin und her gewendet und wieder eingetütet. Sie scheint sehr zufrieden mit den Einkäufen. Auch meine Neugier ist befriedigt, so dass ich mich wieder den Tauben zwischen meinen Füßen widmen kann, Es gibt viel zu picken . Sie nicken mit den Köpfen unablässig und wie es mir scheint, im Tackt zu einer, mit hoher Stimme gesummten Melodie.
Ich mag mich nicht zu meiner Japanerin herum drehen, denn von ihr kam diese “Musike”. In der spiegelden Schaufensterscheibe sehe ich, dass sie in einem Notenheft blättert. Und nun wende ich mich doch zu ihr, um zu erkennen, sie ist dabei, die Noten zur “Loreley”, (ich weiß nicht, was soll es bedeuten…) zu entziffern. Summt ganz hoch und fast richtig die Melodie… nächste Seite: Ein Jäger aus Kurpfalz, dann: Guten Abend, gute Nacht… der Mond ist aufgegangen… so selbstversunken, so anrührend… mir stellen sich die Häärchen auf den nackten Unterarmen auf.
Gern hätte ich ihr bei einigen Liedern geholfen, doch kann ich Japanisch? Oder Koreanisch?
Drum lass ich es, aber schön war’s, wie auch dieser Sommertag in unserem Hamburg.

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About meinkerbholz

ein oller Rentner, der sich darüber freut, wenn sein Geschreibe hier gelesen wird.
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