Hörbilder Farbklänge helle Farben laute Töne hören und sehen

Ein- und Ausdrücke, Adjektive, Attribute,
Seh- und Hörerlebnisse.

Das Mozartorchester mit Anna Preiß-Bator und dem Solohornisten Hermann Baumann musizierten in der Hamburger Musikhalle. Sie spielten unter anderem das Hornkonzert D-Dur von Telemann. Ich erkenne sofort die Melodie von unserer CD wieder.
Ein Schauer läuft mir den Rücken herunter. Ich schließe die Augen, sehe nicht mehr Frau Bator und Hermann Baumann, nicht den schütteren Hinterkopf meines Vordermannes, sondern sitze auf der Terrasse von Ellis auf Møn und aus dem Fenster perlen die Telemannschen Hornkonzerte. Blauer Himmel. Die Feldlerche jubiliert gegen die Kunsttöne an.
Schnell ist das Bild wieder erloschen. Hat da nun der dickliche Nachbar gehustet oder der hagere Hintermann seinen Knister-Bonsche geräuschvoll ausgewickelt?
Klänge werden zu Bildern.
Im Haus im Park wird es dunkel und so wie die Helligkeit abnimmt, verstummt auch das Geraune, letzter Hustenanfall, der Vorhang rauscht zur Seite. Das Spotlight hebt aus dem naturalistischen Bühnenbild den schlafenden Darsteller auf dem Lotterbett hervor.
Das Publikum stöhnt ein bewunderndes „aaah!“ Leise genug um die ersten Worte der Schauspieler zu hören, aber auch laut genug, um uns zu stören, denn wir fanden das Bühnenbild eher scheußlich!
Wie oft bleiben wir bei unseren Wanderungen am Hohen Elbufer stehen, weil wir das Tackern des Buntspechtes hören. Haben vor dem geistigen Auge, wie er schnell mit spitzem Schnabel auf die morsche Stelle im Baum einhämmert, kurz unterbricht, mit dem einen, dann dem anderen Auge sein Werk betrachtet, und schon tackert er weiter.

Hüpfend, kurz mit den Flügeln flatternd, springt er um den Stamm herum, oder höher hinauf und nun sehen wir, was sich vorher in unserem Kopf abgespielt hat:
Schwarzweiß mit rotem Häubchen und roten Federn unterm Schwanz… den Buntspecht!
Höre ich das „zizizizizizidäää“ einer Goldammer, muß ich nicht erst die Augen schließen, um mir den Dornbusch mit der Goldammer auf dem höchsten Zweig, am Strand von Pollerup auf Møn vorzustellen.
Und überhaupt… der Gesang der Vögel!
Das Lied der Nachtigallen am Strand von Nordfeld oder hinter dem ehemalige Hartsandsteinwerk am Geesthachter Hafen.
Der Kuckucksruf im Juni, wenn ich im Schrebergarten bei herrlichstem Sonnenschein auf der Liege liege.
Das Kreischen der Wildgänse, wenn sie im Vorfrühling über die Elbe in den Norden ziehen. Eigentlich schön keilförmig, doch sehr oft schlecht geordnet.
Das wütende Schnattern und klatschende Flügelschlagen, wenn sie von uns am Elbufer gestört auffliegen, und dann laut klatschend im freien Wasser wieder ihre Kreise ziehen.
Ich sehe den freundlichen Griechen mit seinen Ziegen in den Bergen auf Samos und höre das Gebimmel der Glöckchen, spüre die heiße Sonne und rieche den Duft des wilden Thymians und bin doch nur an der Schafherde am Altengammer Deich vorbeigefahren….
Und dann die unangenehmen Geräusche mit ihren dazu gehörenden Bildern:
Der vergebliche Versuch ein Auto zu starten.
Wie oft habe ich während Mareiles Lehrzeit morgens mit dem Ohr bei ihr an dem kleinen Fiat geklebt, bis dann endlich nach dem zehnten oder dreizehnten Mal, ein sonores Brummen anzeigte:
Der Motor läuft!
Der schrille Pfiff einer Trillerpfeife führt mich sofort zurück auf die Griechische Museumsinsel Delos.
Ich wollte die berühmten Löwen auf den Kodak Gold 200 bannen. Ein rotweißes Flatterband sollte die Touristen in geziemendem Abstand zu den Figuren halten.
Für mich kein Hindernis, doch für die griechische, deutschsprachige Reiseführerin der Grund, mit ihrer Trillerpfeife mich in die Schranken zu weisen.

Aber zurück zu den schönen Klangbildern:
Aus A. Mozarts Konzert für Flöte und Orchester, C-Dur Kv. 299, zaubert mir das Allegro sofort den Dianatempel im Münchner Hofgarten beim Besuch bei Silke vor mein geistiges Auge.
Spielte hier doch ein Straßenmusikant auf einer Klarinette dieses Konzert zu dem Orchesterauszug vom Tonband.
Und wir ließen es uns auf einer grünen Bank am Brunnen zwischen den Rosenhecken in der Septembersonne gut sein.
Das dumpfe Klappen, wenn nach Ende des Chorals im Gottesdienst in der St. Petri und Pauli Kirche in HH-Bergedorf die Gesangbücher zuklappen, oder aber das Schönste, wenn das Enkelkind sich an die Oma drückt und leise flüstert „Meine, liebe, liebe Omi.“

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About meinkerbholz

ein oller Rentner, der sich darüber freut, wenn sein Geschreibe hier gelesen wird.
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